Mittwoch, 4. März 2009

Der Chinese von Nebenan

Sie sind halt überall da.

Barcelona

Den Film von Woody Allen habe ich schon dreimal gesehen. Das erste mal am Silvesternacht als meine Gäste aus Polen, Kinga und Włodek, statt sich in den berühmten Berliner Clubs zu amüsieren, mir ein paar Filme zum gemeinsamen Anschauen angeboten haben, und ich Vicky, Christina, Barcelona gewählt habe. Zugegeben, nicht wegen Woody Allen, der alte Meister gefällt mir letztens nicht so sehr, sondern wegen Scarlett Johannsen (ihre Mama ist eine amerikanische Polin und das macht diesen neuen Star Hollywoods noch sympathischer, als sie ohnehin ist, oder scheint zu sein) und Barcelona. In Barcelona war ich im September letzten Jahres das erste Mal, was ziemlich peinlich war; mir schien, dass alle Anderen schon in dieser Modestadt waren, nur ich nicht. Es waren eben die beiden, Kinga und Włodek, die mich nach Barcelona "mitgenommen" haben. Sie sind beide ein bisschen verrückt, reisen über Europa hin und her, um ihre Liebliengbands bei den Konzerten live zu erleben. In Barcelona war es eine spanische Gruppe "La Pegatina" mit der sie sich mittlerweile schon befreundet haben. Wer möchte, kann jetzt am 27. März nach Barcelona fliegen und das nächste Konzert der sehr lustigen Gruppe besuchen. Kinga und Włodek werden auch dabei sein. Ich diesmal nicht (obwohl es mir angeboten wurde :-).

Als ich also den Film am Silvester anschaute, bestättigten sich alle meine Bedenken den Woody Allen gegenüber. Ich fand den Film regelrecht blöd. So was Belangloses und Beliebiges habe ich von den älternen Großmeister nicht erwartet. Das zweite Mal sah ich Vicky, Christina, Barcelona zwei Wochen später mit meiner Freundin, und wir haben uns köstlich amüsiert. Ich fand den Film einfach nett. Irgendwann in Februar, als es mir ziemlich dreckig ging, schaute ich mir den Film das dritte Mal an. Und ich fand ihn schön! Und die Chinesen? Sie erscheinen nur am Rande dieser Geschichte, dafür aber in ihrer schönen Version. In Barcelona auf den berühmten Ramblas gibt es ein Chinesisches Haus.
Mit einem prächtigen modernistischen Drachen an der Ecke des Hauses. Schöne Chinesen in allen Ecken.

Hanoi in Berlin

Weit im Osten Berlins befindet sich auf einem tristen Parkplatz, wo vier Blechbarracke stehen, ein Ort, wo man plötzlich und unerwartet an reges und buntes Leben trifft. Das ist nicht Mitte, wo es auch bunt und reges vor sich hingeht, aber teuer und zur Schau. Auf dem Parkplatz ist es leer und kahlgeschoren, und in den Barracken ist es billig und sehr asiatisch. Nicht Chinesisch, zugegeben, bis jetzt habe ich noch keine Chinatown in Berlin gefunden, aber asiatisch schlechthin. Oder guthin. In den Kneipen, wo sich beim Eingang immer ein kleiner Altar befindet, mit Buddha (?), künstliche Blumen, Reisgaben und Rauchstäbchen, sitzen vor allen Asiaten, aber in den Läden tummeln sich auch Russen, Polen (ich zum Beispiel :-), Jugoslawen aus allen balkanischen Herrenländern. Und zum Verkauf wird alles Mögliche angeboten, was in der Billigländern hergestellt wird. Meine Lieblingstaschen aus karrierten Plastik, T-Shirts und Jeans, Shanghai Bier, Duranfrüchte und, was mir sehr gefallen hatte, auch das ganze kitschige Weihnachtskram, rotnasige Nikoläuse, mit Tannenzweigen bestickte Decken, Lichterketten...

Mittwoch, 14. Januar 2009

Shaolin

In der Bundesallee 215 befindet sich der Shaolin Tempel Deutschland. Er ist der einzige offizielle Ableger des weltberühmten Shaolin-Klosters aus der Provinz Henan, China. Der Deutsche Shaolin Tempel wurde im Auftrag vom Abt des Muttertempels in China, Shi Yongxin, 2001 gegründet und persönlich eingeweiht.

Donnerstag, 1. Januar 2009

Kalkutta


Wieder verging lange Zeit ohne einen neuen Post. Nur in meinem Handy sammeln sich Fotos, die das unterschwellige Einschleichen des Chinesischen ins unsere Leben belegen. Macht es mir Angst? Nein. Ich halte Das für unvermeidlich. Es wird kommen. Es wird so kommen, wie es kommen wird. Und ich bin nicht so optimistisch wie Lech Wałęsa, ich denke nicht, dass wir noch imstande sind, dies anzuhalten. Es ist schon zu weit gegangen. Sie haben unser Leben mit ihren billig in Sklavenarbeit produzierten Sachen überflutet. In seinem Roman "jpod" schreibt Douglas Coupland (es ist eine Gespräch zwischen zwei Brudern):
Don´t be so self-righteous. The Chinesen probably made the shoes on your feet, the computer you just turned on, the glass in the windows, the glass bulb in that lamp, and just about everything else in here. It´s okay if these people are across the ocean in sweatshop working for fifty-nine cents a day, but heaven help us if we have to actually deal with them in real time in our part of the world.

Ja, ich bin also nicht allein in meiner Vermutung, dass es kommen wird, und Gott schütze uns, wenn es kommt. Coupland stellt da auch eine Frage, die vielleicht alles ins richtige Licht rückt: Ist es tatsächlich wichtig, ob wir unsere Arbeit verlieren, weil ein Roboter sie besser und billiger ausübt, oder ein Hindu, der miserabel lebt und genauso miserabel bezahlt ist. Der Hindu ist ein Symbolbegriff, bei mir wäre es ein Chinese. Und es ist egal.

Dies bringt mich auf die Frage, die mich in Indien immer plagte und in Kalkutta akut wurde. Es ging um die Rikschen. Überall in Radjastan gab es motorisierte Rikschen, in Kalkutta aber wurden sie von extrem kleinen, schmächtigen, um nicht zu sagen ausgemagerten Männer gezogen. Ich wollte auf keinen Fall solche Rikscha mieten, es schien mir in meiner sinnlosen europäischen Betroffenheit unwürdig und unethisch. Ich sah zu, wie erbärmlich dünne Männer extrem dicke Reichen zogen. Es waren dieselben Dicken, die ich später in meinem Rückflug nach London sah. Es gab kaum Europäer in der Maschine, überall um mich herum saßen in einem dicken Boeing dicke reiche Hindus. Selbstgeffällig, weil es bei dem Hinduismus noch schlimmer ist, als bei den harten erbarmungslosen Protestanten puritanischer Prägung: Der Arme ist selber an seiner Armut schuld. Bei den europäischen Kapitalisten ist er schuld, weil er nicht genug arbeitet, bei den Hinduisten - weil er in den vergangenen Leben ein schlechter Mensch war. Ihn gilt es zu verachten. In Kalkutta wurde ich was besseres gelehrt. Es regnete. Es regnete so plötzlich und heftig, dass ich mich in meinem dünnen Mousselinekleid bis zum Bauch im dreckigen Fluß stehend fand, in den sich die Strasse in zwei Minuten verwandelte. Kot und tote Ratten schwammen davon. ich stand da und weinte, da kam eine Rikscha von einem unglaublich dünnen man gezogen, der mich aufforderte, sofort einzusteigen. Ich schluckte meine Tränen und ließ mich dankbar (DANKBAR) in mein Hotel fahren. So scheitert immer die vermeintliche ethische Lebenseinstellung. Sie scheitert an der ersten unmittelbaren Begegnung mit einer toten Ratte in einem Rinnsal.

Donnerstag, 11. Dezember 2008

Lech Wałęsa. Solidarisch gegen die Chinesen














Vor 25 Jahren bekam er den Friedensnobelpreis. Das ist zwar ein Preis, der, seitdem er an Arafat verliehen ist, meines Erachtens massiv an der Bedeutung verloren hat, trotzdem ist Lech Wałęsa immer noch ein Preisträger und deren gibt es in der Welt nicht viel. Zu dem Jubiläum lud er Dalajlama nach Gdańsk ein. Die beiden sprachen über die Weltpolitik, über Marxismus und über China. Über China äußerte sich Wałęsa auch in einem Interview für die Wochenzeitschrift "Przekrój":
Es erwartet uns ein Konflikt Europa - China, sagt der ehemaliger Leader der Solidarność. Die Chinesen werden uns einzeln erledigen, jedes Land getrennt. Mit einigen führen sie Handelbeziehungen, mit anderen nicht und wenn wir nicht einheitlich wirken, wird uns China erdrücken. Wir brauchen 10 Solidaritätsgebote gegen Russland und gegen China. Die Gebote müssen klar sein. Zum Beispiel, sollen wir solidarisch sein, wenn China sagt, dass sie von Polen kein Fleisch kauft, dann bekommt sie es nicht in ganzen Europa. Oder als die Chinesen ihre Arbeiter schlecht bezahlen und daher ihre Produkte billiger sind, dann sagen wir nein, wir kaufen von euch nicht. Bei uns macht der Arbeitslohn 10 % des Preises aus. Ok, bei euch können es 9 % sein, aber nicht weniger, weil dann kaufen wir von euch nichs. ich weiß nicht alles, aber ich weiß wir müssen zusammen sein, solidarisch. Wir wollen keinen Krieg, aber wir müssen klar sagen: Meine Lieben, ihr werdet nicht in die Globalisierung reinpassen, weil ihr andere Dimensionen habt, wir passen nicht zueinander, ihr rechnet anders, zahlt anders, dh. ihr wollt keine Globalisierung.

Ja, Herr Präsident, es wäre schön, wenn es so einfach wäre.


fot. Reuters / Kacper Pempel
von der Seite: http://www.dziennik.pl/foto/article277271/

Richter Di

Seitdem ich mich für Chinesen interessiere finde ich viele Bücher und Texte, die das Thema besprechen. Und erstaunlicherweise bekomme ich auch solche Bücher und zwar gar nicht von denen, die wissen (obwohl das auch), sondern von denen, die gar nichts wissen. So bekam ich in letzten Wochen die ganze Reihe von zehn Krimis von Robert van Gulik über den Richter Di. Der Richter Di ist entschieden ein guter Chinese. Sehr guter sogar. Der Autor, Sinologe und Diplomat zugleich, schreibt, dass er die Kriminalfälle des Richters Di den alten chinesischen Originalquellen entnommen hat. Der Di war eine mythische Figur des chinesischen Bewusstseins, ein berühmter Staatsmann der Tang-Dynastie, gerecht und unglaublich modern, nicht nur in seinen detektivstischen Methoden und in seinem tiefen Glauben an den Rechtsstaat, sondern auch in seinem Verständnis, dass es die Aufgabe eines Richters ist, nicht (nur) den Reichen und Mächtigen sondern vielmehr den Armen und Sprachlosen das Wort zu verleihen. In zwei Wochen lies ich auf einmal zwei Bücher über den Richter Di, ein urkomisches Buch von Herbert Rosendorfer über die Bayern, das "Die Briefe in die chinesische Vergangenheit" heißt und noch ein Buch von Xinran, einer Chinesin, die seit den 90ern in London wohnt. Ihr Buch heißt in Original "What the Chinese don´t eat", was unglücklicherweise auf Deutsch unter dem Titel "Die Chinesen spielen kein Mao-Mao" erschienen ist. Schade eigentlich, weil der englische Titel genau dem entspricht, worüber es sich in dem Buch handelt, nämlich der Erklärung der Chinesen für die Europäer.
Mein Skaner funktioniert wieder nicht, ich musste also, um die hier erwähnten Bücher darzustellen, im Internet stöbern. Und siehe da - was ich gefunden habe?! Eine offizielle Berliner-Seite auf Chinesisch! http://www.berlin-china.net/. Sieht erschreckend aus.




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